Die Testamentsvollstreckung, geregelt in §§ 2197 ff. BGB, beruht vor allem auf dem Interesse des Erblassers an dem künftigen Schicksal seines Vermögens.

Die mit der Testamentsvollstreckung verbundene sachkundige, fremdnützige und unparteiische Willensvollstreckung dient der Absicherung von Nachfolgegestaltungen und der Verwirklichung der Zielvorstellungen des Erblassers.

Im Normalfall ist die Testamentsvollstreckung dadurch gekennzeichnet, dass ihre Anordnung die Trennung der Inhaberschaft über die Rechte und die Ausübung der Rechte zur Folge hat:

• Dem Erben ist die Ausübung seiner Rechte gemäß § 2211 BGB verwehrt, solange und soweit sie dem Testamentsvollstrecker durch Anordnung des Erblassers übertragen ist (§§ 2205, 2208 BGB).
• Der Testamentsvollstrecker hat die Stellung eines Treuhänders und ist Inhaber eines privaten Amtes (§ 116 Abs. 1 Nr. 1 ZPO) und übt dies aus eigenem Recht – handelnd im eigenen Namen – gemäß dem letzten Willen des Erblassers (§ 2203 BGB) und dem Gesetz selbstständig aus.

Der Testamentsvollstrecker unterliegt nicht der Aufsicht und Kontrolle des Nachlassgerichts. Letzteres kann dem Testamentsvollstrecker auch nicht ein konkretes Handeln verbieten oder vorschreiben oder gar zur Rechnungslegung und Auskunftserteilung auffordern.

Der Erblasser kann den Testamentsvollstrecker nicht unter die Aufsicht des Nachlassgerichtes stellen.

Auch im Verhältnis zum Vormundschaftsgericht ist der Testamentsvollstrecker unabhängig, da er nicht gesetzlicher Vertreter der Erben ist. Befindet sich z. B. Grundbesitz im Nachlass, bedarf der Testamentsvollstrecker keiner Genehmigung des Vormundschaftsgerichtes nach § 1821 Abs. 1 BGB, wenn er über diesen Grundbesitz mit Wirkung für einen minderjährigen Erben verfügt.

Der Erbe kann vom Testamentsvollstrecker jederzeit verlangen, dass dieser seine Befugnisse nicht überschreitet und im Zivilprozess seinen Anspruch auf ordnungsgemäße Verwaltung durchsetzen und den Testamentsvollstrecker auf Erfüllung seiner Pflichten verklagen.

Der Testamentsvollstrecker haftet dem Erben bei Pflichtverletzungen (§ 2219 BGB). Beim Nachlassgericht kann der Erbe die Entlassung des Testamentsvollstreckers bei Pflichtverletzungen und aus sonstigen wichtigen Gründen beantragen (§ 2227 BGB).

von Ulrike Fuldner

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