Die OFD Frankfurt/M. hat die Kriterien zur Berücksichtigung der Aufwendungen für Studienreisen und Fachkongresse aus Sicht der Finanzverwaltung in einer aktuellen Verfügung zusammengefasst (OFD Frankfurt/M. v. 13.4.2012 – S 2227 A – 3 – St 217).

Hintergrund: Der Große Senat des BFH hatte 2009 seine Rechtsprechung zur Beurteilung gemischt (beruflich und privat) veranlasster Aufwendungen geändert und Aufwendungen für gemischt veranlasste Reisen in größerem Umfang als bisher zum Abzug zugelassen. Sind berufliche und private Veranlassungsbeiträge einer Reise jeweils nicht von untergeordneter Bedeutung, kommt nach der geänderten Rechtsprechung nun ein Abzug der auf den beruflich veranlassten Anteil entfallenden Aufwendungen in Betracht. Entsprechend dem unterschiedlichen Gewicht der Veranlassungsbeiträge sind die Reisekosten dabei im Verhältnis der beruflich und privat veranlassten Reiseanteile aufzuteilen (BFH, Beschluss v. 21.9.2009 – GrS 1/06) .

Hierzu führt die OFD weiter aus: Die berufliche/betriebliche Veranlassung einer Reise kann nicht bereits durch allgemeine Ausführungen des Steuerpflichtigen (allgemeine berufliche Bildung, allgemeine Informationsgewinnung) nachgewiesen werden. Es sind vielmehr die von der Rechtsprechung aufgestellten Abgrenzungsmerkmale zu berücksichtigen (s. BMF, Schreiben v. 6.7.2010, BStBl 2010 I S. 614, Rz. 18). Erst danach hat ggf. eine Aufteilung der Aufwendungen nach den Grundsätzen der Entscheidung des GrS 1/06 zu erfolgen. Für die Annahme einer beruflichen bzw. betrieblichen Veranlassung sind hiernach insbesondere die folgenden Kriterien entscheidend:

Ist das Reiseprogramm auf die besonderen betrieblichen Bedürfnisse der Teilnehmer zugeschnitten?
Ist der Teilnehmerkreis homogen?
Ist die Reise straff organisiert?
Besteht eine Teilnahmepflicht am berufsbezogenen Programm?

Auch der Organisator der Reise, das Reiseziel, die Reiseroute und das gewählte Beförderungsmittel können ein ausschlaggebendes Kriterium sein.

Hinweis: Die Verfügung der OFD Frankfurt/M. geht auch auf den Kostenersatz bzw. die Zuwendung einer Reise durch den Arbeitgeber ein und enthält eine Vielzahl von Hinweisen auf aktuelle Urteile zu diesem Thema.

Quelle: NWB Datenbank