Eine schwere in ihrem Verlauf nicht gleichmäßig fortschreitende Erkrankung begründet für sich genommen einen Härtegrund nicht. Die schwere Härte im Sinne des § 1568 BGB muss durch den Scheidungsausspruch (mit-) verursacht sein, eine allein durch das Scheitern der Ehe verursachte Härte reicht für die Anwendung der Ausnahmevorschrift des § 1568 BGB nicht aus. Die Härte muss sich aus Umständen ergeben, die nach objektiver Beurteilung außergewöhnlich sind. Dabei sind alle Gesichtspunkte, wirtschaftliche und andere nicht materielle Umstände zu berücksichtigen.

Auch der Vortrag, dass die Zustellung des Scheidungsantrages das Wesen verändernde Depressionen hervorgerufen hat, reicht zur Begründung eines Härtefalls nicht aus.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes mutet das Gesetz bei feststehendem Scheitern der Ehe den Ehegatten zu, die mit der Scheidung verbundenen seelischen Belastungen hinzunehmen, und damit in eigener Verantwortung fertig zu werden. Dies gilt selbst dann, wenn ein Ehegatte aufgrund einer besonderen Bindung an die Ehe oder sonstiger an die Aufrechterhaltung des Ehebandes geknüpften Empfindungen glaubt, sich mit der Scheidung nicht abfinden zu können. Allenfalls dann, wenn der scheidungsunwillige Ehegatte infolge der Scheidung in eine nicht mehr steuerbare psychische Ausnahmesituation geraten könnte, könnte eine entsprechende Härte angenommen werden.

OLG Brandenburg, Urteil v. 7.9.2011, 13 UF 7/09