Formelle Buchführungsmängel berechtigen insoweit zur Schätzung, als sie Anlass geben, die sachliche Richtigkeit des Buchführungsergebnisses anzuzweifeln. Jedenfalls dann, wenn vorwiegend Bargeschäfte getätigt werden, können Mängel der Kassenführung der gesamten Buchführung die Ordnungsmäßigkeit nehmen.

Ein gravierender formeller Mangel liegt bereits darin, dass der Stuerpflichtige in den Streitjahren seine Aufzeichnungen – wie er im Termin zur Erörterung der Sach- und Rechtslage angegeben hat – mittels Tabellenkalkulationsprogramms (hier Standardsoftware: Numbers für Mac) führte.

Die Kassenaufzeichnungen durch das eingesetzte Tabellenkalkulationsprogramm – einer Standardsoftware – genügen diesen Anforderungen nicht. Derartige Aufzeichnungen bieten mangels entsprechender Festhaltung keinerlei Gewähr für die fortlaufende, vollständige und richtige Erfassung aller Bargeschäfte ähnlich einem Kassenbuch oder einem Kassenbericht. Die Aufzeichnungen sind veränderbar, ohne dass die Veränderungen kenntlich gemacht werden und erfüllen so auch nicht die Voraussetzung des § 146 Absatz 4 Satz 1 und 2 AO. Darüber hinaus fehlt einem solchen Kassenbuch die erforderliche Journalfunktion.

FG Münster, Urteil v. 20.12.2019, 4 K 541/16 E, G, U, F

Hinweis: Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt, Az. beim BFH III B 22/20