Beim Abbiegen in ein Grundstück (§ 9 Abs. 5 StVO) gilt ebenso wie beim Wenden eine doppelte Rückschaupflicht, d.h.  vor dem Einordnen sowie vor dem Abbiegen. Ein Überholverbot ändert daran nichts. Die Ausnahmeregelung in § 9 Abs. 1 Satz 4 StVO, wonach das Achten auf den nachfolgenden Verkehr vor dem Abbiegen nicht erforderlich  ist, wenn eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist, ist eng auszulegen.
Die Pflicht zur zweiten Rückschau verhütet Unfälle und stellt keine Überforderung dar. Die Ausnahme des § 9 Abs. 1 Satz 4, zweiter Halb. StVO ist daher eng auf solche Fälle beschränkt, in denen eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs aus baulichen Gründen ausgeschlossen ist, und nicht schon dann, wenn sie aus rechtlichen Gründen unzulässig ist.
OLG Düsseldorf, Urriel v. 10.4.2018, I-1 U 86/17