Eine Kündigungsschutzklage ist nicht nach § 5 Abs. 1 Satz 1 KSchG nachträglich zuzulassen, wenn der Arbeitnehmer, der sich nicht nur vorübergehend im Ausland aufhält, nicht sicherstellt, dass er zeitnah von einem Kündigungsschreiben Kenntnis erlangt, das in einen von ihm vorgehaltenen Briefkasten im Inland eingeworfen wird.

Bei der Klagefrist des § 4 Satz 1 KSchG handelt es sich indes nicht um eine rein prozessuale Frist. Ihre Nichteinhaltung hat vielmehr aufgrund der Fiktion in § 7 KSchG – vergleichbar einer Ausschlussfrist – eine unmittelbare materielle Wirkung. § 4 Satz 1, § 7 KSchG sollen das Interesse des Arbeitgebers an einer alsbaldigen auch materiell-rechtlichen Rechtssicherheit in Bezug auf die Auflösung eines Arbeitsverhältnisses durch eine arbeitgeberseitige Kündigung schützen. Auch darauf hat die Bestimmung der dem Arbeitnehmer iSv. § 5 Abs. 1 Satz 1 KSchG zuzumutenden Sorgfalt daher Bedacht zu nehmen. Individuelle Besonderheiten können deshalb zB insoweit keine Rolle spielen, wie Grund für ihre Versäumung die Unkenntnis der Klagefrist ist. Der von § 4 Satz 1, § 7 KSchG intendierte Schutz des Arbeitgebers liefe anderenfalls weitgehend leer. Es gehört zu den für jeden Arbeitnehmer geltenden Sorgfaltspflichten, sich zumindest nach Erhalt einer Kündigung unverzüglich darum zu kümmern, ob und wie er dagegen vorgehen kann.

BAG, Urteil v. 25.4.2018, 2 AZR 493/17

Hinweis: In jedem Falle ist darauf zu achten, dass die Kündigung gem. § 4 KSchG nur innerhalb von drei Wochen ab Zugang der schriftlichen Kündigung angegriffen werden kann. Nach Verstreichen dieser Frist gilt die Kündigung gem. § 7 KSchG von Gesetzes wegen als wirksam – unabhängig davon, ob sie inhaltlich zulässig war. Die Frist beginnt mit Zugang der Kündigung! Unabhängog davon, ob der Arbeitnehmer in Urlaub oder im Krankenhaus etc. muss er Nachbarn oder Freunde etc. bitten, seinen Briefkasten, regelmäßig zu sichten und ihn über die eingehende Post zu informieren.

Nach § 5 Abs. 1 Satz 1 KSchG ist eine Kündigungsschutzklage nachträglich zuzulassen, wenn der Arbeitnehmer nach erfolgter Kündigung trotz Anwendung aller ihm nach Lage der Umstände zuzumutenden Sorgfalt verhindert war, die Klage rechtzeitig beim Arbeitsgericht zu erheben. Ein Antrag gem. § 5 KSchG muss innerhalb von 2 Wochen nach Urlaubsrückkehr, sofort nach Kenntnisnahme gestellt werden. Der Antrag reicht jedoch nicht allein. Zudem muss auch die Kündigungsschutzklage eingereicht werden und der Arbeitnehmer muss dann glaubhaft machen, dass er die Frist schuldlos versäumt hat.