Hintergrund: Aufwendungen für Rundreisen im In- und Ausland sind grundsätzlich nicht als Werbungskosten steuerlich absetzbar, wenn überwiegend touristisch interessante Sehenswürdigkeiten besichtigt werden. Dies gilt auch dann, wenn die Reise von einem Berufsverband veranstaltet wird und auch einige beruflich veranlasste Termine, z. B. der Besuch einer Handelskammer, auf dem Programm stehen. Allerdings gibt es von diesem Grundsatz auch Ausnahmen, wie der jetzt vom Bundesfinanzhof (BFH) entschiedene Fall zeigt.

Streitfall: Ein katholischer Pfarrer nahm im Jahr 2000 an zwei Auslandsreisen teil:

Die erste Reise führte nach Rom, wo u. a. eine Papstaudienz und der Besuch zweier Gottesdienste auf dem Programm standen, im Übrigen aber die klassischen touristischen Sehenswürdigkeiten wie der „Trevi-Brunnen“ oder die „Spanische Treppe“ besichtigt wurden. Die achttägige Reise war vom Pfarrgemeinderat als Wallfahrt initiiert und von einem professionellen Reiseveranstalter organisiert worden. Zu den Teilnehmern der Reise gehörten Mitglieder der Gemeinde. Der Pfarrer machte geltend, dass er die Wallfahrer während der Reise seelsorgerisch betreut hat.
Die zweite Reise dauerte 11 Tage und führte nach Jordanien. An der Reise nahmen ausschließlich Seelsorger der Diözese teil. Es bestand eine Teilnahmeverpflichtung, weil die Reise der Fortbildung diente. Dementsprechend erhielt der Pfarrer auch eine Dienstreisegenehmigung. Das Programm für die Rundreise umfasste die Bibelarbeit und Meditation, aber auch die Besichtigung touristisch interessanter Orte wie z. B. die „Felsenstadt Petra“ oder die „Herodesfestung“.

Der Pfarrer machte seine Aufwendungen für die Reisen als Werbungskosten geltend. Das Finanzamt erkannte die Kosten nicht an, weil er überwiegend touristisch interessante Bauten etc. besichtigt hatte und damit die Reisen privat veranlasst gewesen seien. Das Finanzgericht Nürnberg (FG) wies die Klage ab.

Entscheidung: Der BFH hob die Entscheidung des FG auf und wies die Sache zur weiteren Aufklärung an das FG zurück. Allein der Umstand, dass überwiegend touristisch interessante Orte aufgesucht worden sind, spricht nicht gegen die steuerliche Anerkennung der Kosten für die Reisen. Die Begründung des BFH im Einzelnen lautete:

Die Absetzbarkeit der Kosten für die Reisen hängt davon ab, ob letztere ganz oder teilweise beruflich veranlasst waren. Eine berufliche Veranlassung liegt vor, wenn
der Reise ein unmittelbarer beruflicher Anlass zugrunde liegt, wie z. B. ein Vortrag im Ausland, und die privaten Reiseinteressen nicht im Vordergrund stehen, oder
die berufliche Veranlassung bei Weitem überwiegt und private Reiseinteressen (z. B. Erholung oder Allgemeinbildung) nicht ins Gewicht fallen.
Die Reise nach Rom kann beruflich veranlasst gewesen sein. Dies ist der Fall, wenn der Pfarrer dienstlich verpflichtet war, die Pilgerwallfahrten seiner Gemeinde seelsorgerisch zu begleiten und zu betreuen. Es hätte dann ein unmittelbarer beruflicher Anlass bestanden. Es käme nicht mehr darauf an, dass die Reise die Allgemeinbildung gefördert hat, weil jeden Touristen anziehende Sehenswürdigkeiten besichtigt worden sind. Das FG muss nun im weiteren Verlauf des Verfahrens aufklären, ob der Pfarrers die Aufgabe der geistliche Betreuung der zur Pfarrei gehörigen Pilger hatte und deren Begleitung auf ihrer Wallfahrt nach Rom aufgrund einer dienstrechtlichen Genehmigung erfolgt ist. War dies der Fall, sind die Kosten dieser Reise in vollem Umfang steuerlich absetzbar.
Für eine berufliche Veranlassung der Rundreise durch Jordanien sprechen folgende Kriterien: eine fachliche Organisation der Reise, ein Teilnehmerkreis gleichartiger Berufe (hier ausschließlich Pfarrer), ein spezielles Programm für diese Gruppe und insbesondere eine Verpflichtung des Pfarrers zur Teilnahme an dieser Reise. Sind diese Kriterien mehrheitlich erfüllt, steht dem Werbungskostenabzug auch hier nicht entgegen, dass auf dieser Reise auch zahlreiche touristische Sehenswürdigkeiten aufgesucht worden sind. Das FG muss auch hier die Veranlassung für die Teilnahme an der Reise aufklären.
Kommt das FG zu dem Ergebnis, dass nicht nur berufliche, sondern auch nennenswerte private Gründe den Pfarrer bewogen haben, an der jeweiligen Reise teilzunehmen und die Reisekosten zu tragen, muss es auch prüfen, ob die beruflichen und privaten Veranlassungsbeiträge nach objektiven Kriterien abgrenzbar sind und insoweit wenigstens ein teilweiser Abzug der Kosten in Betracht kommt.

Hinweise: Die Entscheidung des BFH erleichtert den Abzug von Kosten für Reisen auch für andere Arbeitnehmer, die auch oder gar überwiegend übliche touristische Ziele aufsuchen. Es genügt, wenn ein unmittelbarer beruflicher Anlass für die Reise bestand, z. B. die Verpflichtung, die Reiseteilnehmer zu begleiten oder selbst an der Reise teilzunehmen. So kann z. B. auch ein Lehrer, der eine Schulklasse auf deren Fahrt nach Paris begleiten muss, die Kosten hierfür absetzen.
BFH, Urteil v. 9.12.20110 – VI R 42/09

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