Die Aufhebung der gemeinsamen Sorge muss grundsätzlich am Wohl des Kindes ausgerichtet sein. Die Übertragung der alleinigen Sorge auf einen Elternteil setzt keine Kindeswohlgefährdung voraus, wie sie bei einer Trennung des Kindes von seinen Eltern nach Art. 6 Abs. 3 GG bestehen muss. Vielmehr genügt es, dass die Alleinsorge dem Wohl des Kindes am besten entspricht. Für den Fortbestand der gemeinsamen Sorge ist ein Mindestmaß an Übereinstimmung der Eltern in Sorgeangelegenheiten von erheblicher Bedeutung erforderlich. Dies erfordert eine tragfähige soziale Beziehung auf Elternebene zwischen ihnen. Daran fehlt es, wenn eine konkrete, schwere und nachhaltige Einigungsunfähigkeit vorliegt, die sich negativ auf die Entwicklung und das Wohl des Kindes auswirkt. Im Übrigen muss Abhilfe durch die Übertragung der Alleinsorge zu erwarten sein.

Brandenburgisches OLG, Beschluss v. 26.2.2020 , 15 UF 138/19