Erbeinsetzung im gemeinschaftlichen Ehegattentestament kann lebzeitige Schenkungen einschränken

Verfügungen, die im Wechselbezug stehen, müssen nicht zwingend zeitgleich in einer einheitlichen Urkunde getroffen werden. Sie können auch nacheinander in getrennnten Urkunden niedergelegt werden. Allerdings muss in diesem Fall ein entsprechender Verknüpfungswille feststellbar sein, der sich aus den Urkunden zumindest andeutungsweise ergeben muss.

Auch ein langer Zeitraum von fast 40 Jahren, der zwischen den beiden Testamenten liegt, spricht nach den Gesamtumständen nicht entscheidend gegen die Annahme eines Verküpfungswillens der Eheleute. Anhaltspunkte für eine nachträgliche Verknüpfung können sich etwa auch aus einer inhaltlichen Bezugnahme und einer gemeinsamen Verwahrung der Testamente ergeben.

Die Feststellung eines lebzeitigen Eigeninteresses erfordert eine umfassende Abwägung der Interessen im Einzelfall. Es kann fehlen, wenn der Erblassser Zuwendungen erheblicher Vermögenswerte in erster Linie auf Grund eines auf Korrektur der Verfügung von Todes wegen gerichteten Sinneswandels vornimmt.

OLG Hamm, Urteil v. 12.9.2017, 10 U 75/16

Mieter tot, aber kein Erbe: Was kann der Vermieter tun?

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Bei unbekannten Erben eines verstorbenen Wohnraummieters ist durch das Nachlassgericht gemäß § 1961 BGB eine Nachlasspflegschaft anzuordnen, sofern der Vermieter dies beantragt, um einen Anspruch gegen den Nachlass auf Räumung geltend zu machen. Der Umstand, dass der Mieter vermögenslos war beziehungsweise der Nachlass voraussichtlich dürftig ist, steht dem nicht entgegen.

KG Berlin, Beschluss vom 2.8.2017 – 19 W 102/17

Testament darf auch mit schreibungewohnter Hand geschrieben werden

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Auch ein mit der linken Hand geschriebenes Testament kann gültig sein, wenn die rechte Hand gelähmt ist. So hat das  Oberlandesgericht Köln im Verfahren um die Erbfolge eines im Alter von 62 Jahren an einer schweren Krankheit Verstorbenen entschieden.

OLG Köln, Beschluss v. 3.8.2017, 2 Wx 149/17

Nachkömmling einer Begünstigten kann kein Zeuge eines Nottestaments sein

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Ein Nottestament vor drei Zeugen ist unwirksam, wenn das Kind der als Alleinerbin eingesetzten Begünstigten eines dieser drei Zeugen ist (§ 2250 Abs. 3 BGB).

OLG Köln, Beschluss vom 5.7.2017 – 2 Wx 86/17

Siehe auch:

OLG Düsseldorf, Beschluss v. 3.3.3017, I-3 Wx 269/16: Zu den Voraussetzungen für die wirksame Errichtung eines Nottestaments („Drei-Zeugen-Testament“), insbesondere einer objektiv vorliegenden oder subjektiv nach Überzeugung aller drei Testamentszeugen bestehenden nahen Gefahr des Todes im Sinne des § 2250 BGB.

OLG Hamm, Beschluss vom 10.02.2017 – 15 W 587/16: Für die objektive Feststellung einer nahen Todesgefahr im Sinne des § 2250 Abs. 2 BGB reicht es nicht aus, dass der Erblasser an einer bösartigen metastasierenden Grunderkrankung litt, aufgrund der er nach der Bewertung des als Zeugen tätigen behandelnden Arztes innerhalb von ein bis zwei Tagen versterben konnte.

Vorlage des Erbscheins beim Grundbuchamt

Nach § 20 GBO erstreckt sich im Falle der Auflassung eines Grundstücks die Prüfungspflicht des Grundbuchamts auf das Vorliegen einer materiell-rechtlich wirksamen Einigung. Das der Vorschrift zugrundeliegende materielle Konsensprinzip erklärt sich daraus, dass in Fällen der Eigentumsübertragung ein besonderes Interesse an der Übereinstimmung zwischen Grundbuch und wahrer Rechtslage besteht. Das Grundbuchamt muss daher auch prüfen, ob die Einigung durch den materiell Verfügungsberechtigten erklärt wurde. Hierbei gilt zwar gemäß § 891 BGB grundsätzlich die Vermutung, dass der Eingetragene auch der Berechtigte ist. Hat das Grundbuchamt jedoch positive Kenntnis, dass es sich im konkreten Fall nicht so verhält, ist der nach §  20 GBO erforderliche Nachweis nicht erbracht.

Nach erfolgter Testamentsanfechtung fällt die Rechtsstellung des testamentarisch einegsetzten Erben weg. Dann muss der gesetzliche Erbe dem Grundbuchamt zwecks Korrektur des Grundbuches einen Erbschein vorlegen.

OLG Hamburg, Beschluss vom 24.2.201713 W 12/17

Das Erbscheinsverfahren ist geregelt in §§ 2253 ff. BGB

Testamentsvollstreckervermerk bei einer beaufsichtigenden Testamentsvollstreckung

Da die Testamentsvollstreckung im Erbschein als Beschränkung der Verfügungsmacht der Erben aufzuführen ist, ist eine Testamentsvollstreckung nicht zu erwähnen, die den Erben von Anfang an in der Verfügungsmacht überhaupt nicht beschränkt. Dies ist der Fall, wenn der Erblasser die Testamentsvollstreckung nicht nur auf bestimmte Gegenstände des Nachlasses beschränkt , sondern auch insoweit nur eine beaufsichtigende Testamentsvollstreckung anordnet.

OLG Köln, Beschluss v. 3.4.2017 – 2 Wx 72/17

Die Testamentsvollstreckung ist geregelt in §§ 2197 ff. BGB. Durch einen Testamentsvollstrecker kann der Erblasser z .B.  vermeiden, dass zwischen den Erben Streitigkeiten über die Nachlassverteilung entstehen.

Rücktritt vom Erbvertrag nur bei erwiesener Untreue denkbar

Wenn die Vertragspartner  keinen Rücktrittsvorbehalt im Erbvertrag vereinbart haben,  ist nur ein Rücktritt wegen Verfehlungen des Bedachten nach § 2294 BGB denkbar. Die Voraussetzungen gem. § 2294 BGB liegen vor, wenn sich der Bedachte einer Verfehlung schuldig gemacht hat, die den Erblasser zur Entziehung des Pflichtteils berechtigen würde. Verwendung von Geld des Erblassers zu eigenen Zwecken rechtfertigt Rücktritt noch nicht.

OLG Köln , Beschluss vom 3.7.2017 – 2 Wx 147/17

 

EGMR: Deutschland diskriminiert nichteheliche Kinder beim Erbrecht

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Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Deutschland erneut wegen einer Diskriminierung nichtehelicher Kinder im Erbrecht verurteilt. Die Straßburger Richter gaben am 09.02.2017 einer Frau Recht, der Ansprüche am Erbe ihres Vaters verwehrt worden waren (Az.: 29762/10). In Deutschland haben nichteheliche Kinder, die vor dem 01.07.1949 geboren worden sind und deren Vater vor dem 29.05.2009 gestorben ist, keine Rechte am Erbe des Verstorbenen.

Ausschluss der elterlichen Vermögensverwaltung für vom Kind ererbtes Vermögen durch Verfügung von Todes wegen

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Der durch Verfügung von Todes wegen angeordnete Ausschluss der elterlichen Vermögensverwaltung für vom Kind ererbtes Vermögen umfasst auch die Befugnis zur Ausschlagung der Erbschaft. Die in einem solchen Fall von einem ausgeschlossenen Elternteil im Namen des Kindes erklärte Ausschlagung ist mangels Vertretungsmacht unwirksam.

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Pflichten des Erbenermittlers

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Die formularvertragliche Regelung, wonach ein Erbenermittler seinem Kunden gegenüber erst dann zu (weiteren) Tätigkeiten verpflichtet ist, wenn er von allen ermittelten Erben Vollmacht und Honorarvertrag erhalten hat, ist wirksam.

Die Darlegungs- und Beweislast für den Eintritt dieser aufschiebenden Bedingung trifft den Kunden.

Vor Begründung einer Betätigungspflicht ist der Erbenermittler grundsätzlich nicht gehalten, seinem Kunden Auskunft und Rechenschaft zu geben.

BGH, Urteil v. 19.5.2016, III ZR 274/15